Pusteblume Durlangen

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Grußwort

Grußwort des Trägers der Kindertagesstätte der Gemeinde Durlangen

Bürgermeister Dieter Gerstlauer
Bürgermeister Dieter Gerstlauer

„Mut zur Erziehung“ muss eigentlich heißen: „Mut zur Veränderung unseres eigenen Lebens.“ H. v. Hentig

Zugegeben, das Thema „Erziehung“ ist für viele nahe an vertrauten Erfahrungen platziert. Selbst wenn Sie keine Kinder haben, können Sie darüber nachdenken wie Sie erzogen worden sind. Von Theodor Fontane kennen wir folgende Gedanken: „… wenn ich hier noch einmal die Frage stelle ‚ „wie wurden wir erzogen“, so muss ich darauf antworten: „gar nicht und - ausgezeichnet“.“

Welche widersprüchlichen Kindheitserinnerungen werden bei dieser Frage bei Ihnen hierbei wach? Viele können sich unter einer „Kindergärtnerin“ etwas vorstellen. Auch mögen viele mehr oder weniger konkrete Vorstellungen darüber haben, was Kindergärtnerinnen in Ihrem Berufsalltag tun. Womit diese „Gärtnerinnen“ zu tun haben ist ohnehin unweigerlich klar. Das von Fontane verwendete Bild vom Gärtner und vom Wachstum eines Bäumchens gehört traditionell auch zur Bildersprache der Pädagogen. 

Die Kindergärtnerinnen wissen um die hohe erzieherische Prägekraft und sind um eine „gute“ Erziehung unserer Kinder bemüht, das heißt, es werden größte Anstrengungen unternommen, um eine humane und soziale Grundorientierung in die Köpfe und Herzen der Kinder hinein zu tragen. Doch auf welche Art und Weise geschieht Erziehung? Gibt es unerlässliche Aufgaben der Erziehung? Ist Erziehung schwierig, kompliziert vielleicht sogar angesichts der antipädagogischen Diskussion gefährlich?

 Müssen wir nicht weiterfragen? Welche Aufgabe und Berechtigung hat Erziehung? Was ist die zentrale Frage von Erziehung? Sie erkennen, selbst die alltagssprachliche Bedeutung von „Erziehung“ hat eine enorme Vielfalt und noch mehr Schattierungen und Abstufungen. Der Begriff „Erziehung“ ist historisch einem starken Wandel unterworfen und wird für sehr verschiedene Auffassungen zur Sache gebraucht. Eine ausführliche und eingehende kritische Beschäftigung mit dem Thema „Erziehung“ ist schon allein wegen der Vielfalt an Meinungen mühsam aber spannend und lohnenswert. Schon unter Beachtung dieser Aspekte ist es nicht unproblematisch eine Konzeption für die Kindertagesstätte zu erstellen, es zum einen der erforderlichen klaren und genauen inhaltlichen Abgrenzungen bedarf, zum anderen die richtige Mischung zwischen Verständlichkeit und fachnotwendiger Abstraktion, zwischen breiter Übersicht und der Sichtbarmachung von Strukturen und vertiefenden Darstellungen von Erziehungsschwerpunkten gefunden werden muss. Die anspruchsvolle Aufgabe eine Konzeption zu erstellen, die umfassenden Anforderungen unterschiedlicher Interessensgruppen genügt und einen Zustand der Ausgewogenheit und ein Gleichgewicht entgegenwirkender Aspekte im Bereich von Erziehung, Bildung und Betreuung herstellt ist Frau Shedid und ihrem Team sowie dem Elternbeirat ausgezeichnet gelungen. 

Die Art der pädagogischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge, die erforderlichen erzieherischen Instrumente, die Strukturen, angewandten Verfahrensweisen und die zentralen Schwerpunkte werden plan- und zielgerichtet und in klarer und eingängiger Sprache vermittelt und aufgezeigt. Es wird anschaulich nachvollziehbar, dass es richtig ist sich trotz aller Krisenhaftigkeit der erlebbaren Widersprüchlichkeiten der Gesellschaft der bedeutsamen Sache der Erziehung inhaltlich anzunehmen und die Erziehungsziele, die dem erzieherischen Handeln zu Grunde liegen beschreibend und erklärend darzulegen. 

Sie können der Konzeption der Kindertagesstätte Pusteblume entnehmen, dass der wichtigste Faktor des kindlichen Lernens und Reifens die Erfahrung ist, die es selber machen kann - der Umgang mit Menschen, das Probieren und Hantieren. Es wird herausgestellt, wie wichtig persönliche Beziehungen sind, dass ein Kind seinen Halt finden kann, seine Übereinstimmung mit sich selbst und seine inneren emotionalen Anregungen und das Streben nach Zielen sowie den Sinn seines Daseins findet. 

Unsere Kinder wachsen in großer Selbstverständlichkeit in unserer Kultur und Gesellschaft auf. Ein Gesichtspunkt dabei ist, dass dies zunächst die gesellschaftliche Tüchtigkeit unserer Kinder stärkt. Die Aufgabe liegt aber keineswegs nur darin, unsere Kinder an die Gesellschaft anzupassen, das Einüben von Rollen und die Übernahme von Wertvorstellungen zu vollziehen. Vielmehr soll schon in der Kindertagesstätte ein Herausführen der Abhängigkeit und der Unmündigkeit erfolgen. Die kindliche Individualität soll sich entfalten können, das Kind soll sich seiner selbst bewusst werden.

 Das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen des Kindes soll gefestigt werden. Sie können der Konzeption entnehmen , dass die Kindertagesstätte der Gemeinde dem Kind durch die Kraft der Liebe und Anerkennung die grundlegende Erfahrung des Vertrauens gegeben wird. Im persönlichen Austausch aller Akteure, kann das im Kind angelegte sich ausbilden. Das wichtigste für die Qualität der Erziehung ist also die Art und Weise, wie Eltern und Erziehrinnen dem Kind helfen, sich selbst zu finden und die eigene Person lernend zu entfalten.

Mit der pädagogischen Konzeption der Kindertagesstätte Pusteblume der Gemeinde Durlangen haben sich das Erzieherinnenteam und der Elternbeirat um einen „roten Faden“ bemüht, der den Zusammenhang von Darstellung und Argumenten einer planvollen und zielgerichteten Erziehung sicherstellt und nachvollziehbar macht. An dieser Stelle deshalb meinen herzlichen Dank an alle, die bei der Erstellung und Weiterentwicklung der Konzeption mitgewirkt haben.

Möge die aktuelle Konzeption zu einer konstruktiven und gedeihlichen Weiterentwicklung der Arbeit in der Kindertagesstätte beitragen und möge das Erzieherinnenteam, der Elternbeirat und die Eltern weiterhin miteinander reifen und neue Gemeinsamkeiten für die Veränderungen in unserem Leben mit Kindern finden.

Dieter Gerstlauer
Bürgermeister